Multimediaterminal im Ausstellungsraum, Wallraf-Richartz-Museum, Köln
Multimediaterminal im Ausstellungsraum, Wallraf-Richartz-Museum, Köln
Informations- und Kommunikationssysteme

Es gibt verschiedene Systeme, um Besucher über ausstellungsrelevante Inhalte und Themen zu informieren und für die Besucherkommunikation zu nutzen. Einige befinden sich innerhalb des Ausstellungsraumes, andere können aber auch außerhalb der Institution verwendet werden wie die Museums-CD-ROM. Diese unterschiedlichen Angebote zur medialen Kunstund Kulturvermittlung sind sehr vielfältig, ebenso ihr Informationsgehalt und ihre Lerneffizienz.

Multimediaterminal und 3D-Simulation

Mit dem Begriff Multimediaterminal wird ein computergestütztes Informationssystem bezeichnet, das sich durch seine Multimedialität auszeichnet und Ton, Bild, Animation, Video und/oder Text miteinander verknüpft. Multimediaterminals bestehen meist aus einem Monitor oder einem Touch-Screen in Verbindung mit einer Tastatur, einem Trackball oder einem Datenhandschuh. Freistehende Geräte im Ausstellungsraum, wie das als Sitzmöbel konzipierte Modell im Wallraf-Richartz-Museum in Köln, kommen ebenso vor wie in separaten Räumen aufgestellte Multimedia-Stationen. Neben interaktiven Quizspielen für Kinder und Erwachsene stehen zwei- und dreidimensionale Visualisierungen von Gebäuden oder Ausgrabungsstätten zur Verfügung. Die verschiedenen Modelle und Formen der Geräte sind genauso unterschiedlich wie ihre Funktionen und ihre Handhabung.

Virtuelles Millionenzimmer, Ars Electronica, FutureLab, YouTube
3D-Simulationen werden auch in Kombination mit großen Projektionswänden gezeigt wie beim Millionenzimmer im Schloß Schönbrunn, Wien. Mit 3D-Brillen bestückt stehen die Besucher vor einer speziellen Leinwand und bewegen sich „schwebend“ im virtuellen Raum.

CD-ROM und DVD

In den 1990er Jahren ließen viele Museen eine Museums-CD-ROM erstellen, die im Museums-Shop zum Kauf angeboten wurde. Dadurch konnten Museen auch außerhalb der Institution ihre Sammlungen oder Ausstellungen präsentieren und in der Kunst- und Kulturvermittlung aktiv sein. Die CD-ROM, heute meist DVD, ermöglicht das Anschauen und Erforschen der Inhalte zuhause am Computer oder über den DVD-Player am Fernseher. (Lentos - Kunstmuseum Linz; Louvre)

Das Stapferhaus Lenzburg offeriert für die Vor- und Nachbereitung des Besuchs der Ausstellung Entscheiden. Über das Leben im Supermarkt der Möglichkeiten didaktische Materialien. Sie bieten die Möglichkeiten zur thematischen Vertiefung und Spezialisierung und umfassen didaktische Anleitungen sowie eine begleitende DVD.

Digitale Publikationen

Vermehrt werden von Institutionen Publikationen wie Ausstellungs- oder Sammlungskataloge digital - meist kostenlos - online für interessierte Personen zur Verfügung gestellt. Neben downloadbaren PDFs oder ePubs (MetPublications - full text online, The Metropolitan Museum of Art) gibt es Online-Kataloge, die im Netz durchgeblättert und gelesen werden können und als Bildungsressource heran gezogen werden können (Online Scholarly Catalogues, The J. Paul Getty Museum; Online Catalog Early Netherlandish Paintings, Rijksmuseum). Auch eBooks sind verfügbar und können über Kindle gekauft und gelesen werden (Von Oettingen, D., 2010).
scAPP-haetze der bayerischen staatsbib450.jpg
external image mzl.sgudaccr.320x480-75.jpg
external image mzl.nocpuzct.320x480-75.jpg
Screenschots der App Famous Books, Bayer. Staatsbibliothek


Tablets können nicht nur für das Lesen von eBooks verwendet werden. Es gibt auch Apps, die sogar ganze Sammlungen einsehbar machen (Famous Books - Schätze der Bayerischen Staatsbibliothek, Bayerische Staatsbibliothek; Lux in Arcana, app for the exhibition Lux in arcana - The Vatican Secret Archives reveals itself; ).

Digitale Bibliotheken:
Digital Public Library of Amerika (DPLA) incl. Exhibitions, Map, Timeline, Apps, and Library Observatory;
e-Codices - Virtual Manuscript (Website und App);
Bayern in historischen Karten, Bayerische Staatsbibliothek;

Virtuelles Museum und virtuelle Sammlung

Das Internet wird von Museen überwiegend zur Präsentation der eigenen Institution genutzt. Wenige Institutionen gewähren über eine Webcam Einblicke in das Haus. Das Google Art Project ermöglicht virtuelle Rundgänge in verschiedenen Museen weltweit.

Wenn Museen ihre Sammlungen in einem virtuellen Museum über das Internet präsentieren, ähnelt die Konzeption dieser Präsentation einem realen Museum und dessen Ausstellungsräumlichkeiten sehr; Kunst- und Kulturobjekte werden ausgestellt und durch zusätzliche Informationen ergänzt. In der Praxis wird der Begriff des virtuellen Museums sehr unterschiedlich ausgelegt. Bieten die einen eine sehr aufwändige virtuelle Ausstellungsarchitektur (Museo Virtual de Artes, El Pais; Gemäldegalerie Alte Meister Dresden @ Second Life; Stadtgeschichte Heilbronn, Virtuelle Ausstellung, Stadtarchiv Heilbronn), durch die sich Internetnutzer frei bewegen können, ist diese bei anderen auf ein Minimum reduziert (Karlsruher Türkenbeute; Virtual Exhibitions (inkl. Bedlam), Museum of London). Dasselbe gilt auch für die Darbietung und die Vielfalt der ausstellungsrelevanten Informationen.
Mehr dazu ...

bildersuche.jpg
BildSuche, Bayerische Staatsbibliothek
Online-Datenbanken

Sehr verbreitet ist der Zugang zu Sammlungsbeständen über Online-Datenbanken und virtuelle Archive. Diese speziell erstellten Recherchemöglichkeiten werden überwiegend von Studierenden oder Forschern genutzt. Aber auch interessierte Personen nutzen dieses Angebot. Über verschiedene Suchfunktionen und Suchbegriffe werden einzelne Objekte aufgerufen und Informationen abgefragt.

Seit März 2013 bietet die Bayerische Staatsbibliothek für ihre Handschriften und historischen Drucke einen besonderen Service: die BildSuche. Der Unterschied zu herkömmlichen Suchsystemen besteht hierbei darin, dass die Suchfunktion nicht text- sondern bildbasiert ist. Internetnutzer können eigene Bilder hochladen und nach ähnlichen Bildern in der Datenbank suchen. Die Ergebnisse dürfen dann als PDF oder Epub heruntergeladen werden. (Bayerische Staatsbibliothek, BildSuche)

In der Kunstbibliothek Sitterwerk, im Sitterwerk Katalog können Benutzer eigene Ordnungen von Büchern und Werkstoffmustern erstellen, diese als Zusammenstellungen abspeichern und so für andere Besucher nutzbar machen. Es ist festzustellen, dass bei Online-Datenbanken und virtuellen Archiven Interaktion und Partizipation eine immer größer werdende Rolle spielen, was auch im Folgenden sichtbar wird.

Online-Datenbanken (Auflistung)


Web2.0 und Soziale Software

In Projekten wie Steve:museum, Europeana oder ARTigo können sich Interessierte intensiv mit den Sammlungsbeständen beschäftigen und aktiv einbringen. Neben dem Social Tagging, dem „sozialen Verschlagworten" von Objekten (Steve Tagger), ist auch das Anlegen von eigenen Kollektionen möglich (My Europeana; Pictify; Rijksstudio, Rijksmuseum;). Diese Tätigkeiten sollen die Recherchemöglichkeiten der musealen Bestände attraktiver machen und verbessern sowie den Museen bei der Verschlagwortung ihrer Bestände helfen.
Für die Besucherkommunikation und das Museumsmarketing wird der Social-Networking-Dienst Facebook verwendet. (Smithonian National Postal Museum, Washington; Metropolitan Museum of Art, New York; Kunsthaus Graz). Zum Austausch von Neuigkeiten kommt die Microblogging-Plattform Twitter zum Einsatz (TECHNOSEUM Landesmuseum für Technik und Arbeit, Mannheim; Walt Disney Family Museum, San Francisco; Mercedes Benz Museum). Das Google Art Projectnutzt Google+ für die Kommunikation mit den Nutzern, für die Google Art Project Group und für den Goolge Art Talk (Online-Veranstaltung) mit der Hangout-Funktion. Diese Web2.0-Dienste werden sowohl von Museumsmitarbeitern als auch von interessierten Internetnutzern verwendet.

Webseiten (mit interaktiven Inhalten)

Es gibt viele Webseiten, die reichhaltigen (Multimedia)Kontent über Kunst und Kultur beinhalten. Diese Seiten werden entweder von Kunst- und Kulturinstitutionen erstellt oder von privaten Personen, Gruppen oder Vereinen geschaffen und/oder von Firmen gesponsert. Eine dieser Seiten ist Paul Klee - Painting, biography and quotes. Neben einer Bildgalerie, Künstlerzitaten und Videos gibt es auch interaktive Inhalte. Auf dieser Seite finden sich noch weitere Links zu berühmten Malern wie Rembrandt, Da Vinci, Warhol oder Rothko.

Derartige Angebote können dazu dienen, einen Museumsbesuch vorzubereiten - z.B. Helene Schjerfbeck, 2.10.2014-11.1 2015, Schirn Kunsthalle Frankfurt - oder das gesehene zu vertiefen. Dabei steht die Freude an der Beschäftigung mit dem Thema im Vordergrund und soll dazu motivieren, sich das Original genauer Ansehen zu wollen.

Die Abgrenzung zu Online-Lernumgebungen und -Lernangeboten ist hierbei oft nicht ganz klar. Angebote wie 82nd & Fifth (Metropolitan Museum of Art, New York) sind ausgesprochen interaktiv und beziehen den Benutzer stark ein.

Weitere Angebote:
Heilbrunn Timeline of Art History, Metropolitan Museum of Art, New York;
Wettstreit der Künste, Kunsthistorischen Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München;
Dingwelten, Museumsbund Österreich;

Referenzierte Literatur und Online-Ressourcen