Mobile Führungssysteme

Mobile Besucherführungssysteme werden zur Vermittlung von Informationen und Wissen innerhalb und außerhalb des Museums eingesetzt. Dabei sind zwei Gruppen zu unterscheiden:
  • Museumseigene Geräte, welche der Besucher ausleiht wie Audioguide, Multimedia-Guide und Personal Digital Assistent.
  • Persönliche Geräte, die der Besucher mitbringt. Dienste wie Podcasts und Mobiltelefonführungen werden vor dem Ausstellungsbesuch auf das eigene Gerät geladen; Programme wie die sogenannten „Apps“ werden installiert.
Die verschiedenen Geräte, Dienste und Programme zeichnen sich durch eine Vielfalt unterschiedlicher Formen und Funktionen aus und werden im Folgenden kurz beschrieben.

Mobile Besucherführungssysteme im Ausstellungsraum

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Audioguide, Foto: Àlex Hinojo, Wikipedia
Audioguide

Der Audioguide ist eines der ältesten und beliebtesten Vermittlungsgeräte, die im Museum verwendet werden. Vorläufer war der Walkman, der durch den portablen CD-Player (Discman) abgelöst wurde. Heutige Audioguides zeichnen sich durch eine gute technische Ausstattung und ihre einfache Bedienung aus. Wird die am Ausstellungsobjekt angebrachte Nummer in das Gerät eingetippt, ertönt die enstprechende Audioinformation. Da meist jene Objekte ausgewählt und betrachtet werden, die nummeriert sind beschreitet der Besucher einen akustisch geleiteten Rundgang (Jüdisches Museum Berlin, Berlin; Kunsthistorisches Museum, Wien; Neanderthal Museum, Mettmann).

Mobiltelefonführungen (Handy-Führungen)

Nach wie vor werden in den Ausstellungen Mobiltelefone als Führungsgeräte verwendet. Bei Handy-Führungen ruft der Besucher die Audiodateien entweder über eine Telefonnummer ab oder fordert sie via SMS an (Mobile Phone Audio Tour, Tate Modern, London; Mobilephone Guide in der Ausstellung, NRW/Forum Düsseldorf). [Vgl. Bressler 2006]

Multimedia-Guide und Personal Digital Assistant

Eine Weiterführung des traditionellen Audioguides ist der Multimedia-Guide. Dieses Gerät liefert nicht nur Audioinformationen, es bietet zusätzlich Multimedia-Inhalte an (Multimedia Tour, Tate Modern, London; The British Museum, London; Multimedia-Guide, Technisches Museum, Wien). Beispielsweise wird über das Einlesen eines Bar- oder Semacodes via Infrarot oder Kamera die entsprechende Audio-, Text-, Bild- oder Videoinformation automatisch angezeigt oder abgespielt (Acoustiguide im Volkskunstmuseum, Innsbruck).

Der Personal Digital Assistant (PDA) ist das klassische Multimediagerät im Museum. Über Funk-Lan verbindet sich jedes Gerät mit dem Server und greift auf entsprechende Informationen in der Datenbank zu (CoolMuseum; SCALEX). Verschiedene Services wie Druckfunktion oder der Zugriff auf eine Webseite stehen ebenfalls zur Verfügung.

Smartphone, iPod und Podcasting

Sehr beliebt sind Smartphones wie das iPhone und der iPod als multimediale Ausstellungsführer (NOUS-Guide). Es gibt bereits einige Applikationen (Apps), die über den App Store kostenlos oder kostenpflichtig erworben werden können (Pentimento, Antenna Audio; Musée du Louvre, Paris; NRWForum Düsseldorf; MoMA App, Museum of Modern Art, New York; Dinosaurs, American Museum of Natural History, New York; Gütt, 2010). Der Besucher lädt sich zuhause die App auf das Gerät und verbindet sich im Museum mit dem Wireless-Lan. Nach Aufrufen der Applikation werden die gewünschten Informationen wie Audio-, Text-, Bild- oder Videodateien ausgewählt. Die Funktionen der einzelnen Applikationen sind sehr vielfältig und unterschiedlich.

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Screenshot der App zur Ausstellung "Picasso" im Kunsthaus Zürich
Weitere Apps:
Picasso, Kunsthaus Zürich (ist leider nicht mehr verfügbar);
Home, Stapferhaus Lenzburg;
mumok, Museum moderner Kunst, Wien;
Hallein - Kelten, Salz, Kultur, Bad Dürrenberg (Erkundungstour in Hallein);
Kunstfunk, Museum Ludwig, Köln;
Mobile Apps, Museum of London;
Museum Ladin (für iPhone und iPad);
History Museum Escape (für iPhone und iPad);

Beim Podcasting werden Audio- oder Video-Dateien auf das mobile Gerät bei iTunes heruntergeladen und bei den entsprechenden Objekten abgespielt. Es gibt nicht nur Podcasts von Museen (Bank Austria Kunstforum, Wien; MUMOK, Wien; Podcasts and audios (inkl. Spotify), Museum of London), auch „inoffizielle“ Podcasts stehen im Internet zum Download zur Verfügung (Slate Magazin, SlateAudio Tours; Art Mobs) – oft zum Missfallen der Museumsleitung.

Liste von Podcasts mit historischer Thematik

Augmented Reality

Augmented Reality (AR) ist eine weitere Möglichkeit mobile Geräte wie Smartphone oder Tablet (z. B. iPad) für das Lernen zu nutzen. AR bezeichnet jene Technologie, mit der zu den realen Gegebenheiten, wie ein Ausstellungsobjekt, erweiterte Informationen kontextualisiert angezeigt werden. Fängt die geräteeigene Kamera das anvisierte Objekt ein, erscheint auf dem Display zusätzliche Information. (Expedition Schatzsuche, Kärntner Landesmuseum, Klagenfurt; khm, Kunsthistorisches Museum, Wien (Apple, Android); )

Audiovisuelles Environment

Das Konzept des „audiovisuellen Environment“ knüpft an die Erfahrungen mit dem Audioguide an. Das System ergänzt den realen Museumsraum um einen virtuellen akustischen Raum. Der drahtlose Kopfhörer ortet die Bewegung des Besuchers und liefert entsprechende Klanginformationen. Ein Eintippen von Objektnummern wie bei einem Audioguide ist hier nicht notwendig. Das System erkennt selbst, wo sich der Besucher befindet und liefert personalisierte Audioinformationen wie Sprache, Geräusche oder Musik. (Listen, Macke Labor des Kunstmuseum Bonn)

Location-Based-Service und Geo-Tagging

Es gibt verschiedene Applikationen für Smart-Phones, die Kunst- und Kulturobjekte in der Umgebung auf einer Karte anzeigen und Informationen zur Verfügung stellen. (Art Maps Project, Tate; Soundtrack to London, Museum of London; Swiss Art to Go, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte)

Die Idee, Kunstobjekte einer Sammlung zu mappen, soll es ermöglichen, diese Objekte auf eine neue Art und Weise zu entdecken. Die Museen wollen somit erreichen, dass die Sammlungen bekannt werden und wenigstens virtuell besucht werden. [Vgl. Art Maps: Mapping an art collection]

NFC (Near Field Communication) und QR-Code

Near Field Communication ist eine Mobiltelefon-Technologie, die es dem Nutzer erlaubt, Informationen durch das an eine vorgegebene Markierung gehaltene Handy zu erhalten. Mit einem einfachen Tab auf das Display werden MultimediaInhalte angezeigt. Diese Technologie funktioniert auf Nokia, da die Geräte dafür einen speziellen Chip eingebaut haben. (NFC at Museum of London, and Video, Museum of London)

Durch das Einscannen einens QR-Code (auch Strichcode u. Ä.) mittels Infrarot oder der geräteeigenen Kamera ist es ebenfalls möglich multimediale Informationen über das Internet zu erhalten. Diese Informationen können Bild-, Text-, Audio- oder Video-Inhalte sein und werden unmittelbar nach dem Scan angezeigt oder abgespielt. (Tiroler Volkskunstmuseum, Innsbruck)

Mobile Technologien außerhalb des Museums

Die oben genannten Technologien können in entsprechendem Kontext auch als Anwendungen außerhalb des Ausstellungsraumes eingesetzt werden. Sie dienen überwiegend zur Vor- oder Nachbereitung eines Museumsbesuches oder als Ergänzung und Erweiterung des Ausstellungsbereiches. Eine solche Erweiterung kann durch Augmented-Reality-Technologie oder Geo-Tagging erfolgen. Beispielsweise wird durch die geräteeigene Kamera das reale Stadtbild angezeigt und mit virtuellen Inhalten wie Bildern ergänzt (Streetmuseum, Museum of London; Andy Warhol Museum Layar). Dadurch wird der reale Raum zum Ausstellungsraum und mit zusätzlichen Objekten und Informationen angereichert.

Referenzierte Literatur und Online-Ressourcen